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Sonntag, 27. September 2026

Commerzbank und UniCredit: Der Übernahmepoker nach dem Umtauschangebot

von Rechtsanwalt Martin Arendts, M.B.L.-HSG, ARENDTS ANWÄLTE

Das Übernahmeangebot von UniCredit für die Commerzbank ist abgeschlossen, die Übernahme selbst jedoch nicht. Die italienische Großbank hatte im März 2026 ein freiwilliges öffentliches Umtauschangebot angekündigt und bot 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Die Commerzbank bewertete die Offerte als finanziell nicht angemessen und empfahl ihren Aktionären, sie nicht anzunehmen.

Gleichwohl war die Annahme nicht gering: Bis zum Ende der weiteren Annahmefrist am 3. Juli 2026 wurden 17,6 Prozent des Commerzbank-Grundkapitals angedient. Nach Angaben von UniCredit beläuft sich ihr Anteil einschließlich der bereits bestehenden Position anschließend auf 47,59 Prozent des Kapitals beziehungsweise auf 49,65 Prozent der Stimmrechte (da die von der Commerzbank gehaltenen eigenen Aktien nicht stimmberechtigt sind). Der Übergang der angedienten Aktien steht weiterhin unter Vorbehalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen. 

Damit ist aus einem zunächst unabgestimmten Angebot ein grundsätzlicher Machtfaktor geworden. UniCredit verfügt aber noch nicht automatisch über die uneingeschränkte rechtliche Kontrolle und die Commerzbank bleibt ein eigenständig geführtes, börsennotiertes Institut. Der außergewöhnlich hohe Stimmrechtsanteil verschiebt aber die Ausgangslage für die Besetzung von Gremien, strategische Beschlüsse und jede spätere strukturelle Lösung erheblich.

Die Commerzbank hält jedoch an ihrer Strategie „Momentum 2030“ fest und betont ihren eigenständigen Wertbeitrag. Gleichzeitig erklärt sie sich zu einem konstruktiven Dialog bereit. Aus ihrer Sicht lassen sich Synergien eines Zusammenschlusses nur mit einer einvernehmlichen Lösung erzielen, die Unternehmensführung, Arbeitnehmervertreter und die Bundesregierung als zweitgrößten Aktionär einbindet.

Für UniCredit kommt es deshalb jetzt weniger auf eine weitere öffentliche Eskalation als auf ein belastbares Konzept an. Erforderlich sind ein tragfähiger Preis, Klarheit über Standorte, Arbeitsplätze und die mittelständische Kundenbasis sowie eine überzeugende Governance-Struktur. Eine Integration mit der HypoVereinsbank (mit erheblichem Kosteneinsparungspotential) ist bislang kein verbindlich angekündigter Schritt. Sie wäre, falls sie überhaupt verfolgt wird, erst nach einer Verständigung mit den maßgeblichen Stakeholdern und den noch ausstehenden Genehmigungen realistisch.

Die entscheidende Frage lautet damit nicht mehr, ob UniCredit bei der Commerzbank mitreden kann. Das kann sie bereits. Entscheidend ist, ob aus dieser Beteiligung ein abgestimmtes europäisches Bankenkonzept entsteht, das für Aktionäre, Kunden und Beschäftigte nachvollziehbaren zusätzlichen Wert schafft.

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