von Rechtsanwalt Martin Arendts, M.B.L.-HSG, ARENDTS ANWÄLTE
Das Übernahmeangebot von UniCredit für die
Commerzbank ist abgeschlossen, die Übernahme selbst jedoch nicht. Die
italienische Großbank hatte im März 2026 ein freiwilliges öffentliches Umtauschangebot
angekündigt und bot 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Die
Commerzbank bewertete die Offerte als finanziell nicht angemessen und empfahl
ihren Aktionären, sie nicht anzunehmen.
Gleichwohl war die Annahme nicht gering:
Bis zum Ende der weiteren Annahmefrist am 3. Juli 2026 wurden 17,6 Prozent des
Commerzbank-Grundkapitals angedient. Nach Angaben von UniCredit beläuft sich
ihr Anteil einschließlich der bereits bestehenden Position anschließend auf
47,59 Prozent des Kapitals beziehungsweise auf 49,65 Prozent der Stimmrechte (da die von der Commerzbank gehaltenen eigenen Aktien nicht stimmberechtigt
sind). Der Übergang der angedienten Aktien steht weiterhin unter Vorbehalt der erforderlichen
behördlichen Genehmigungen.
Damit ist aus einem zunächst unabgestimmten
Angebot ein grundsätzlicher Machtfaktor geworden. UniCredit verfügt aber noch nicht
automatisch über die uneingeschränkte rechtliche Kontrolle und die Commerzbank
bleibt ein eigenständig geführtes, börsennotiertes Institut. Der
außergewöhnlich hohe Stimmrechtsanteil verschiebt aber die Ausgangslage für die
Besetzung von Gremien, strategische Beschlüsse und jede spätere strukturelle
Lösung erheblich.
Die Commerzbank hält jedoch an ihrer Strategie
„Momentum 2030“ fest und betont ihren eigenständigen Wertbeitrag. Gleichzeitig
erklärt sie sich zu einem konstruktiven Dialog bereit. Aus ihrer Sicht lassen
sich Synergien eines Zusammenschlusses nur mit einer einvernehmlichen Lösung
erzielen, die Unternehmensführung, Arbeitnehmervertreter und die
Bundesregierung als zweitgrößten Aktionär einbindet.
Für UniCredit kommt es deshalb jetzt
weniger auf eine weitere öffentliche Eskalation als auf ein belastbares Konzept
an. Erforderlich sind ein tragfähiger Preis, Klarheit über Standorte,
Arbeitsplätze und die mittelständische Kundenbasis sowie eine überzeugende
Governance-Struktur. Eine Integration mit der HypoVereinsbank (mit erheblichem Kosteneinsparungspotential) ist bislang kein
verbindlich angekündigter Schritt. Sie wäre, falls sie überhaupt verfolgt wird,
erst nach einer Verständigung mit den maßgeblichen Stakeholdern und den noch
ausstehenden Genehmigungen realistisch.
Die entscheidende Frage lautet damit nicht
mehr, ob UniCredit bei der Commerzbank mitreden kann. Das kann sie bereits.
Entscheidend ist, ob aus dieser Beteiligung ein abgestimmtes europäisches
Bankenkonzept entsteht, das für Aktionäre, Kunden und Beschäftigte
nachvollziehbaren zusätzlichen Wert schafft.
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