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Dienstag, 23. Juni 2026

Commerzbank: ver.di und Bund für Eigenständigkeit

Pressemitteilung der ver.di

Die italienische Bank UniCredit hat am 5. Mai 2026 ihr formales Übernahmeangebot für alle Commerzbank-Anteile vorgelegt. Kurz vor Fristende meldet sich der Bund zu Wort: Als zweitgrößter Anteilseigner lehnt er das Übernahmeangebot der italienischen UniCredit für die Commerzbank ab. Die Annahmefrist, ursprünglich auf den 16. Juni 2026 datiert, soll bis zum 3. Juli verlängert werden. Für die rund 39.000 Beschäftigten stehen nach ver.di-Einschätzung bis zu 10.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. ver.di und der Gesamtbetriebsrat haben bereits Schutzregelungen durchgesetzt und bekräftigen ihre Ablehnung einer Übernahme.

Einigung: Beschäftigungssicherung vereinbart


ver.di und der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank haben im Rahmen der Strategie-Anpassung des Unternehmens kurzfristig Verhandlungen mit der Unternehmensleitung aufgenommen – und wichtige Schutzregelungen für die Beschäftigten durchgesetzt. Zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist der faktische Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sowie faire und attraktive Programme für freiwillige Austritte.

Darüber hinaus wurden wichtige Grundlagen geschaffen, um langfristig gute und sichere Arbeitsbedingungen zu erhalten. „Die Strategie der Commerzbank wird nur dann funktionieren, wenn sie sozial abgesichert ist. Gute Arbeit und sichere Perspektiven für die Beschäftigten müssen dabei oberste Priorität haben“, so Voß.

Mit Blick auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz betont ver.di: Neue Technologien dürfen nicht ausschließlich zum Stellenabbau genutzt werden. Sie müssen auch dazu beitragen, die Arbeit der Beschäftigten spürbar zu erleichtern und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern.

Rückblick


Seit Herbst 2024 dauert der Übernahmekampf um die Commerzbank an – am 5. Mai 2026 hat er eine neue Stufe erreicht. Die italienische Großbank UniCredit, bereits mit knapp 30 Prozent der größte Anteilseigner, hat nun ihr formales Kaufangebot für alle verbleibenden Commerzbank-Aktien vorgelegt. Für jede Commerzbank-Aktie bieten die Italiener 0,485 neue UniCredit-Aktien – nach dem Kurssprung an der Mailänder Börse entspricht das aktuell rund 34,35 Euro je Papier.

Die Annahmefrist lief offiziell bis zum 16. Juni 2026, soll aber verlängert werden. Finanzexperten werten das Angebot allerdings eher als taktisches Manöver: Da der aktuelle Commerzbank-Aktienkurs mit rund 35 Euro über dem Angebotspreis liegt, dürfte das Angebot für die meisten Anleger derzeit wenig attraktiv sein. Zudem hat UniCredit selbst erklärt, nicht davon auszugehen, mit diesem Schritt die Kontrollmehrheit zu erlangen.

Hintergrund

Mit einem Anteil von 30 Prozent würde automatisch ein deutlich teureres Pflichtangebot fällig. Das formale Angebot gilt daher als Manöver, um diese Schwelle zu umgehen und strategisch handlungsfähig zu bleiben.

Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank lehnen das Vorhaben weiterhin entschieden ab. Auch der deutsche Staat, mit gut 12 Prozent der zweitgrößte Aktionär, will seine Anteile nicht verkaufen und tritt für eine eigenständige Commerzbank ein.

„Wir lehnen eine Übernahme der Commerzbank durch die UniCredit ab. Der Vorstandsvorsitzende Andrea Orcel handelt weiterhin unkalkulierbar und spielt mit dem Vertrauen der Beschäftigten, aber auch der gesamten deutschen Wirtschaft“, so Christoph Schmitz-Dethlefsen, ver.di-Bundesvorstandsmitglied, zuständig unter anderem für Banken und Versicherungen.

Insgesamt bis zu 15.000 Jobs in Gefahr


UniCredit-Chef Andrea Orcel hat bereits einen Umbauplan für den Fall einer Übernahme vorgelegt. Demnach könnten rund 7.000 Stellen allein in Deutschland entfallen – durch Synergien mit der bereits konzerneigenen HypoVereinsbank (HVB). ver.di geht insgesamt von bis zu 15.000 gefährdeten Arbeitsplätzen aus, wenn man beide Häuser zusammenrechnet – Commerzbank und HVB.

ver.di-Bundesfachgruppenleiter Bankgewerbe Jan Duscheck warnt: Betroffen wären „vor allem Tausende Stellen in den Zentralen in Frankfurt und München sowie in den Servicegesellschaften“.

Derweil hat UniCredit zum Jahresauftakt einen Rekordgewinn eingefahren: Der Quartalsüberschuss stieg um 16 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro – der höchste je verzeichnete Quartalsgewinn in der Geschichte des Mailänder Geldhauses. Für ver.di ist das ein weiterer Beleg: UniCredit handelt aus einer Position finanzieller Stärke – auf Kosten der Beschäftigten in Deutschland.

ver.di kämpft für eine eigenständige Commerzbank

Große Anleger, insbesondere der Bund mit seiner Beteiligung von 12 Prozent, trügen jetzt Verantwortung – für den deutschen Mittelstand, für Millionen Privatkunden und nicht zuletzt für tausende Beschäftigte.

„UniCredit mag ein Tauschangebot vorgelegt haben, das ändert aber nichts an unserer Haltung: Eine eigenständige Commerzbank ist die beste Ausgangslage für sichere Arbeitsplätze und eine starke Zukunft beider Häuser“, so Christoph Schmitz-Dethlefsen.

ver.di wird für den Erhalt von Arbeitsplätzen kämpfen, für eine starke Präsenz durch Filialen in der Fläche und für betriebliche Mitbestimmung auf Augenhöhe. Kevin Voß bekräftigt: „UniCredit-Chef Andrea Orcel hat jegliches Vertrauen verspielt. Eine Übernahme würde bei der Commerzbank und der bereits übernommenen HypoVereinsbank bis zu 15.000 Arbeitsplätze kosten und keinerlei Mehrwert für Kundschaft und Wirtschaft mit sich bringen.“

Was bisher geschah

16. Juni 2026: Der Bund lehnt das Angebot erneut ab. Die Finanzagentur des Bundes, zuständig für den staatlichen Anteil von rund zwölf Prozent, erklärt: „Eine Annahme Angebots kam bereits wirtschaftlich nicht infrage, da das Übernahmeangebot keine angemessene Prämie auf den aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie enthält.“ Der Bund unterstütze die Strategie der Eigenständigkeit und lehne „das aggressive Vorgehen“ der UniCredit ab. Die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands und sei als Arbeitgeber zentral für den Finanzstandort Frankfurt.

Bis dahin hatte die UniCredit nach eigenen Angaben rund elf Prozent der Commerzbank-Aktien angedient bekommen. Rechnerisch stiege ihr Anteil damit auf etwa 38 Prozent, über Kaufoptionen hat sie sich mehr als drei weitere Prozent gesichert. Die Annahmefrist, die am 16. Juni auslief, soll bis zum 3. Juli verlängert werden.

Zuvor war der Übernahmestreit eskaliert: Die UniCredit hatte der Commerzbank offen mit einem Austausch von Aufsichtsrat und Vorstand gedroht, sollte sie auf der Hauptversammlung genug Aktionäre hinter sich bringen. Die Commerzbank schaltete daraufhin die Finanzaufsicht BaFin ein. Sie wirft der UniCredit vor, die angedienten Aktien stammten überwiegend von Banken, mit denen die Italiener über Finanzinstrumente Geschäfte machen, nicht von unabhängigen Aktionären. Für diese läge das Angebot unter dem aktuellen Aktienkurs und wäre ein Verlustgeschäft. Die UniCredit weist die Kritik zurück.

14. Mai 2025: Das Zerren um die Commerzbank ging in die nächste Runde. Hintergrund ist der Versuch einer schleichenden Einflussnahme: UniCredit hat sich in den letzten Monaten über Aktienkäufe und Derivate bereits bis zu 28 Prozent der Anteile gesichert. Zuletzt wurde eine weitere Aufstockung auf 29,9 Prozent durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigt.

Damit wird gezielt die Schwelle von 30 Prozent für ein verpflichtendes Übernahmeangebot umgangen – ein Szenario, das aus Sicht der Beschäftigten und ihrer betrieblichen Interessenvertretungen massive Risiken birgt. ver.di betont, dass die Commerzbank mit ihrer aktuellen Strategie „Momentum“ auf einem soliden, zukunftsgerichteten Kurs sei. Die Gewerkschaft begrüßt das politische und gesellschaftliche Bekenntnis zur Eigenständigkeit der Commerzbank – im Interesse der Beschäftigten, der Kundinnen und Kunden sowie des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Am 11. September 2024 war bekannt geworden, dass UniCredit 4,49 Prozent der Anteile an der Commerzbank gekauft hatte – als Meistbietender für ein zuvor zum Verkauf stehendes Aktienpaket. Medienberichten zufolge strebte UniCredit seinerzeit schon eine schrittweise Übernahme an. Noch im September 2024 hatten ver.di und der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank ihren Widerstand gegen die Übernahmepläne öffentlich gemacht. Kurz vor der Beratung im Finanzausschuss des Bundestages am 25. September forderten sie die Bundesregierung auf, sich gegen die Übernahme zu positionieren.

„Die Bundesregierung muss die Commerzbank zum Teil der kritischen Infrastruktur in Deutschland erklären“, forderte ver.di-Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann damals bei einer Kundgebung mit rund 250 Beschäftigten vor der Frankfurter Zentrale.

Arbeitsplätze in Gefahr


Die Skepsis kommt nicht von ungefähr: Nach der Übernahme der HypoVereinsbank durch UniCredit im Jahr 2005 sank die Zahl der Beschäftigten um rund zwei Drittel. Ähnliches befürchten die Arbeitnehmervertretungen nun für die Commerzbank.

Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke stellt klar: „Wir stehen fest an der Seite der Belegschaft und kämpfen für den Erhalt der Eigenständigkeit der Bank und somit für gute und faire Arbeitsbedingungen.“ Die Bundesregierung dürfe keine weiteren Anteile an UniCredit verkaufen.

Eine Übernahme durch UniCredit sei nicht im Sinne der Beschäftigten und würde die Zukunftsfähigkeit der Bank ernsthaft gefährden, heißt es in einer Erklärung des Gesamtbetriebsrats. Der Fokus der italienischen Großbank liege auf Rationalisierung und nicht auf Innovation.

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